Am Anfang gab es nichts. Dieses Nichts nannte man Midlife. Man stellte es sich als eine tiefe Schlucht des Nichts und der Windstille vor. Im Zentrum von der Elsterstraße stand die Hoffnung. Man nannte diese Kulturbundhaus.

Melanie und Tonelli

Reaktionen der Presse

  1. 25.07.2005 LVZ: Juliane Richter

    Professor Röver und ein Anflug von Magie

    Feld für spontane Experimente: Jeden Dienstag im Tonelli´s ist Guitar-Night

    Noch dudelt Konservenmusik vom Band. Gäste, meist Studenten, hier und da aber auch ein rentnerliches Pärchen, hat es sich auf den durchgesessenen Sofas und Stühlen im Tonelli´s bequem gemacht. Ein Anblick, der sich von hundert anderen in Leipzigs Bars nicht unterscheidet. Und doch, etwas ist anders. Es ist Guitar-Night wie jeden Dienstag, und eine entspannte Erwartung liegt in der Luft. Dann kommt er, Christian Röver. Der habilitierte Gitarrist gibt sich nonchalant und unbekümmert, bastelt an Instrument und Technik herum, summt ins Mikro, macht Kaffeepause. Und plötzlich, fast unmerklich, steigt er ein in die Musik...

    Enstanden aus der Idee, Musikstudenten eine Experimentierbühne zu bieten, hat sich die Nacht der Gitarre(n) mittlerweile als Fixpunkt im Tonelli-Terminplaner eingenistet. Röver führt gewissermaßen Regie an den Abenden, überlässt aber auch seinen Kollegen Raum und Aufmerksamkeit. Das Prinzip ist simpel: Mindestens eine Gitarre muss dabei sein, den musikalischen Rest bestimmen Zufall und Kreativität der Mitstreiter.

    Wie Röver da sitzt, völlig vertieft und mit geschlossenen Augen zupfend, eine seltsame Fußakrobatik an mehreren Reglern und Hebeln vollführend, hat es fast etwas Magisches. Er scheint ganz für sich und seine Gitarre zu spielen, und gerade deshalb kommt so viel beim Publikum an. Das zeigt ein Blick in den kleinen Kreis. Es ist still geworden im Raum, Bier und Zigaretten auf dem Tisch scheinen vergessen, alle starren den Meister an – kein Zweifel, er hat seine Fans.

    „Wir sind offen für alles. Für jede Art von Absurdität“, raunt Röver ins Mikro. Der konzerterfahrene Zuhörer weiß: Das kann gefährlich aufs Ohr gehen. Doch schnell wird offenbar, die Aussage ist mehr als Verheißung denn als Drohung zu verstehen.
    Nicht nur lokale Talente streicheln hier Saiten, bearbeiten Becken und Trommeln und befühlen Saxophon-Tasten. Und nicht nur Studenten wagen sich zum Prof auf die kleine Bühne, es kommt schon mal vor, dass Besucher aus eher praktischen Berufen mitjammern.

    Wie an jenem ersten Juni-Dienstag, als neben Röver und Florian Pöschko an den Gitarren auch Richter Ralf Rothkegel zur Klarinette griff. Sogar Profikollegen aus den USA, England, Italien und Griechenland kehren in unregelmäßigen Abständen in der Kneipe ein. Dadurch können diverse Musikgeschmäcker bedient werden – Jazz natürlich, aber auch Latin und Pop, bis hin zu uneinordbaren Improvisationen und dem gepflegten Chaos. Fazit: Unvorhergesehenes ist garantiert.

  2. 12.07.2005 LVZ: Peter Matzke

    Bert Stephan Group bei Freestyle-Session im Tonelli´s

    Quälend gut

    Freestyle im Tonelli´s. Hansi Noack, bekannt vor allem als die Geige von Dekadance, von Musikfreunden geschätzt als Spiritus Rector des Avantgarde-Projekts A.I.D.S., hatte mal wieder zur Session geladen. Stargast des Abends ist Bert Stephan, die Trompete und der Kopf von Dekadance aus Dresden, die Gitarre bei den Rocky´s und, wie sein kürzlich erschienenes zweites Solo-Album beweist, hinter allem musikalischen Geblödel ein sehr ernst zu nehmender Musiker mit progrockigen Ambitionen. Ihm zu Ehren heißt die Band an diesem Abend Bert Stephan Group.

    Vor Jahren hat er sich mal mit dem kongenialen Programm „Was Sie schon immer über Jazz wissen wollten“ über eben jenen lutig gemacht. Jetzt spielt er welchen. Pech für alle, die in der Hoffnung auf dekadenten Klamauk gekommen sind. Songs im eingentlichen Sinne gibt es nicht. Die Band spielt genau zwei Stücke, eines vor und eines nach der Pause. Alles wird frei improvisiert, Strukturen sind nicht vorgegeben, sie entstehen höchstens. Die Musiker spielen miteinander, im wahren wie im übertragenen Sinne. Sie kreuzen zwanglos umher, suchen einander und finden gemeinsam zu Höhepunkten – um sich anschließend wieder zu verlieren. Stephan spielt erst Gitarre, dann Trompete, Hansi liefert verblüffende Beweise, wie sehr Geigentöne verfremdet werden können, wenn man nur genügend Effektgeräte hat. Sehr belebend das Saxophon in Teil zwei.

    Mario von Mad X-Ray am Bass ist die Seele des Ganzen. Betont zurückhaltend beteiligt er sich kaum an den musikalischen Kapriolen der Kollegen auf der Bühne. Ist aber ständig hellwach, spürt sofort, wenn Ideenfunken hörbar werden, nimmt die Vibes sensibel auf und verpasst ihnen ein Fundament. Wenn gelegentlich alles auseinander zu driften droht, behält er die Übersicht, sein Bass ist die letzte Rückzugslinie vor dem Chaos. Das Ganze ist natürlich schwer gewöhnungsbedürftig, und es gibt ohrenscheinlich quälende Passagen, in denen alle mehr oder weniger hilflos aneinander vorbeistolpern. Doch wenn sie sich gefunden haben, laufen sie zu großer Form auf. Auch das Publikum genießt diese Momente, der Applaus ist durchaus begeistert. Die Musiker allerdings lassen sich nach dem weiten Stück nicht noch einmal auf die Bühne bewegen; auch da sind sie sehr eigen…

  3. 08.07.2005 LVZ Live: Matthias Wöbking

    Gitarrenprofessor

    Gitarrenprofessor

    Drei Akkorde mit Gesang machen noch keine Guitarnight. Da passt der Gitarrenprofessor schon auf. Christian Röver spielt auf dem Bachfest, den Leipziger Jazztagen oder etwa mit James-Brown-Saxofonist Pee Wee Ellis. Er nimmt Lehraufträge am Berklee College of Music wahr, an den Musikhochschulen Weimar und Leipzig und der Uni Graz. Die wöchentliche Guitarnight im Tonelli´s gründete er, um hiesigen Studierenden ein Podium zu geben. Doch längst stehen regelmäßig international renommierte Gäste auf der Bühne, oft kurzfristig anberaumt. Alles kann passieren. Cooler Jazz, Flamenco, Latin, Weltmusik mit Live-Samples, unplugged Blues oder auch gepflegtes Chaos. Nur mehr als drei Akkorde sollen´s bitte schön sein.

  4. 04.03.2004 LVZ: Mark Daniel

    Einmal im Monat: Neue Reihe „ MusicCircus“ startet am Sonnabend im Tonelli´s mit irischen Rockern

    Man beschwören Acid-Rock-Ära

    Der Verdacht erhärtet sich: Offenbar will Tonelli sein Etablissement täglich bespielen lassen. Einen Schritt näher kommt der Kneiper und Musiker dem unausgesprochenen Ziel am Sonnabend. Da startet im Tonelli´s die neue Reihe „MusicCircus“. Einmal im Monat soll im Saal oder Foyer ordentlich abgerockt werden. Der ein oder andere große Name steht schon auf der Einkaufsliste: Freygang im Herbst, Chris Farlowe ebenso, im Juni Dekadance. Und am 11. April steigt eine Blues-Revue.
    Das erste Circus-Konzert bestreiten am Sonnabend Urgesteine der Acid-Rock-Ära: Man. Martin Ace, Micky Jones, Deke Leonard, Garreth Thorrington und Bob Richards servieren Knaller wie „Erotica“, „ The Storm“, „C´mon“, „Many Are Called But Few Get Up“, oder “On The Wings Of Mercury”. Die Show beginnt 21 Uhr, Karten liegen an der Abendkasse.

    Weiterhin kostenlos sind die Eintritte für die Gitarrennacht (jeden Dienstag), die Jazz-Session am Mittwoch und die donnerstägliche Blues-Session. Auch, wenn der MusicCircus tobt, ist für die Kneipe der turnusmäßige Samstags-Gig fest eingeplant. Ausführliche Infos im Internet unter www.tonellis.de

  5. 1.1.2004 LVZ: Mark Daniel

    Geile Götter feiern drei Jahre Tonelli´s

    Freibier zur Spaß-Botschaft

    Udo Lindenberg verortete ihren Sitz nach Leipzig, als er sie als Vorband bei seinem Konzert im Ferropolis Ende August würdigte. Macht ja nix, Eisennach ist ja quasi Vorort der Messestadt. Die hat den Thüringern mit dem distinguierten Namen Geile Götter offenbar so gut gefallen, dass sie schon wieder kommen. Die Spaß-Botschafter besuchen morgen das Tonelli´s, weil die Szene-Kneipe ihr Dreijähriges feiert. Gegen 21 Uhr bewegen sich die Geilen Götter am Rande des guten Geschmacks – „Ficken ist Ficken, das nützt ja alles nichts.“ Noch was: Ein Fass Freibier will geleert werden!
    Am Sonnabend gastiert im Tonelli´s die Band Fools´n Town mit Coversongs von Gary Moore, Eric Clapton und anderen. Sonntag steht wieder die Freistil-Session auf dem Plan. Unter der Woche gibt´s jeden Dienstag Guitar-Night, mittwochs Jazz- und donnerstags Blues-Session (ab 21 Uhr).

  6. 28.03.2003 LVZ/Leipziger Volkszeitung: Peter Matzke

    Die Energien des Werdens freigesetzt

    Hansi Noacks Band Snake Evil zauberte im Tonelli´s

    Hansi Noack ist ein wahrhafter Hans Dampf in allen akustischen Gassen. In den wilden 80ern stieß er zum Free Jazz, in Underground-Kultstätten wie dem Dörfchen Peitz (bei Cottbus) stand er mit Ikonen wie Baby Sommer und Conny Bauer auf der Bühne. Einer größeren Hörerschaft bekannt wurde er als Geiger der Dresdner Chaoskapelle DekaDance. Doch die freie Improvisation – er sagt liebevoll-respektlos: „Quietschmusik“ – hat ihn nie losgelassen. Seit 1989 existiert sein Bandprojekt mit dem schaurig-schönen Namen „Aufruhr in der Savanne“ (a.i.d.s.), darüber hinaus spielt er in einem weiteren Halbdutzend Bands harmonische und dissonante Musik.

    Seit April betreut Hansi Noack allsonntäglich bei Tonelli in der Elsterstraße seine eigene livemusikalische Veranstaltungsreihe, die „Free Psychedelic Session“. Auch am vergangenen Sonntag spielte er dabei die erste Geige, in diesem Fall als Frontmann seiner Band Snake Evil. Wer diese Form des Musizierens für sich erschließen will, muss radikal mit der gängigen Herangehensweise brechen: Wir konsumieren Musik für gewöhnlich als fertiges Endprodukt, von dem aus wir den Emotionen nachspüren, die bei seiner Entstehung (hoffentlich) einflossen. Noack und Kollegen dagegen präsentieren Musik im Entstehen. Kein Produkt, sondern Prozess: Sie versuchen, die Energien des Werdens freizusetzen.

    Unermüdlich tasten sie sich durch die nebligen Felder im auditiven Urgrund, in denen aus Geräusch Klang wird und aus Klang Musik. Sobald sich dabei allmählich Harmonien fügen und viele Zuhörer sehnsuchtsvoll den Beginn „richtiger“ Musik erahnen, brechen sie ab. Das faszinierende Spiel beginnt von neuem – bis sich die Band zum Schluss in einen psychedelischen Taumel steigert, der auch den letzten Skeptiker mitreißt.

    Dem Auftritt der Band folgt regelmäßig eine mal mehr, mal weniger anregende Session – doch Hansi Noack an der Geige vermochte bisher noch keiner zu übertrumpfen.

  7. 13.12.2002 LVZ/Leipziger Volkszeitung: Mark Daniel

    Gib mir ’ne Bühne, gib mir Licht!

    Tonelli feiert morgen das Fünf-Jährige seines Soul-Orchesters Feelmen – und in den eigenen Geburtstag

    Wahrscheinlich braucht er das. Tonelli muss das Damoklesschwert des Zeitzwanges über sich fuchteln sehen. Dann wirft seine Kreativität Funken, dann ackert er bis zum Abwinken. Sonst wären Feelmen wohl nie entstanden. Am 13. Dezember 1997 wurde sich der Kneiper bei einem Bierchen mit Blueser Massa Großwig in Tonelli´s Blues Bar“ darüber einig, dass der eigene Schuppen durchaus eine Silvester-Party mit Live-Mugge vertragen könnte. Nur: Auch die hinterletzte Kapelle ist traditionell an einem 31. 12. teuer. Sehr teuer. „Dann können wir doch selbst eine gründen“, schlug Massa vor. Während der nächsten zwei Wochen schufteten zehn Menschen in einem Probenraum, um als Soul-Orchester ins neue Jahr zu rutschen. Morgen feiern Feelmen ihr Fünf-Jähriges.

    Und das, obwohl einige Musiker-Kollegen der Band einen Monat gaben: „Spätestens dann habt ihr voneinander den Kanal voll“, unkte die Szene. Nichts da – Feelmen soulen nach wie vor mit viel Spaß, „auch wenn ich bei den allerersten Proben noch nie eine so furchtbare Version von ,Mustang Sally’ gehört habe“, erzählt Tonelli grinsend.

    Klassiker von Soul und Rhythm ’n“ Blues bekommen seitdem vor allem Besucher von Stadtfesten, Festivals oder großen Firmenfeiern auf die Ohren – mit Tonelli als Frontmann, der wirbelt, röhrt und seine Entertainer-Qualitäten voll ausspielt. „Gib mir ’ne Bühne, gib mir Licht – und ab geht’s“, sagt der Mann, der gesteht, sich nirgendwo anders so sicher wie bei Auftritten zu fühlen. Das kommt nicht von ungefähr: Tonelli, der eigentlich Frank Metz heißt („So dürfen mich nur Leute nennen, die ich nicht leiden kann“), wuchs quasi in der Zirkus-Manege auf. Sein Vater Günther Metz arbeitete als Artist, Mutter Hannelore Kalin ist Profi-Jodlerin. Den Beinamen „Tonelli“ bekam der Vater als „versteckter“ Hauptdarsteller im gleichnamigen Kriminalfilm „Tonelli“ von 1943 – darin doubelte er Ferdinand Marian bei den artistischen Einlagen. Den Künstler-Namen darf auch der Sohn tragen, der 1960 in Leipzig auf die Welt kam.

    Tonelli junior arbeitete nach einer Ausbildung zum Verkaufsstellenleiter Ende der 70er als Tankstellen-Chef. In den Nachtschichten vertrieb er sich die Langeweile mit Jonglage. Von 1980 bis 1991 tourte er als Zirkuskünstler (Jongleur und Clown) mit seinem Vater durch Europa.

    Bei einem Aufenthalt in Leipzig traf er seinen alten Kumpel Peter „Lenin“ Tittel wieder und eröffnete mit ihm den „Chopper“ ihm tiefsten Plagwitz. Das Dasein als Kneiper lag ihm. Nach Zapf-Stationen im „Pinball“ und dem „Tuvalu“ eröffnete er seine „Blues Bar“ am Dittrichring. Vor einem guten Jahr zog er um und betreibt nun das Tonelli´s in der Elsterstraße. Dort natürlich steigt am Sonnabend die Feelmen-Fünf-Jahres-Feier, mit vielen Gästen und Überraschungen. Um Mitternacht wird Sekt schäumen: Der Band-Chef hat Geburtstag.

    Tonelli´s relative Sesshaftigkeit bedeutet nicht, dass das Leben ruhig geworden wäre. Als vor knapp vier Jahren ein Möbelunternehmen für eine Groß-Party eine Band suchte, die querbeet Ost-Hits drauf hat, ließ der Mann mit der Raspel zwischen den Stimmbändern seine Kontakte spielen, fand nichts – und trommelte kurzerhand seine Jungs zusammen. In 14 Tagen paukten fünf von ihnen 40 Titel ein, traten als P 70 auf. Und räumten mächtig ab. Wie gesagt: Wahrscheinlich braucht Tonelli diesen Druck.

  8. 03.09.2001 LVZ/Leipziger Volkszeitung: kein Autor

    Volles Programm unterm alten Oberlicht

    Das Tonelli´s im Kulturbundhaus ist eröffnet/Heute Künstler-Stammtisch

    Die Augenringe sprechen eine deutliche Sprache: Geschlafen hat dieser Mann in den letzten Tagen nicht viel. Immerhin ist der Mehrtage-Bart ab. „Ich war vorhin noch mal kurz zu Hause“, sagt Tonelli, „man muss ja halbwegs normal aussehen.“ Jetzt gönnt er sich fünf Minuten Ruhe und eine Cola – „bevor der Trubel richtig losgeht.“

    Genervt ist der Szene-Kneipier und Bandleader vom Stress nicht. Im Gegenteil: Er hat ihn sich bewusst eingebrockt. Weil er mal „was anderes“ machen wollte als seine „Blues Bar“ im Keller nahe der Runden Ecke. Und zufällig suchte gerade zu dieser Zeit der Leipziger Kulturbund einen neuen Betreiber für die Kneipe im Haus in der Elsterstraße.

    So wurde – seit Freitagabend auch offiziell – aus dem ehemaligen „Midlife“ das Tonelli´s. Hinter diesem einfachen Satz verbirgt sich allerdings „verdammt viel Arbeit“, erzählt Tonelli. Nicht nur, dass wegen der Neugestaltung der Elsterstraße der Eingang komplett verlegt werden musste. Auch im Innern war der Zustand „alles andere als einladend“. Aber zum Glück harmoniert Tonelli mit seinen „Feelmen“ nicht nur auf der Bühne: Gemeinsam ging’s ans Werk. Parkett abschleifen, Stuck freilegen, malern, Elektrik auf Vordermann bringen, Tresen renovieren.

    Als besonderes Highlight erwies sich das in die Decke eingelassene Oberlicht. Das jahrelang ungenutzte Kleinod strahlt nun wieder – direkt auf die neue Bühne. Und auf die will Tonelli möglichst bald wieder Leben bringen. Waren die Bands, die am Wochenende zur Eröffnung aufspielten, noch auf die kleinere Bühne im Nebenraum angewiesen, soll es demnächst mitten in der Kneipe abgehen. Dabei schwebt Tonelli ein Mix aus Musik, Kleinkunst und Varieté vor.

    Jeden Donnerstag stehen in der Elsterstraße Blues-Sessions auf dem Programm, auch die Reihe „Heavy Metal – nix im Scheddel …“ hat ein neues Domizil gefunden. Zudem soll jeden Samstag Live-Musik über die Bühne gehen. Und in näherer Zukunft will Tonelli auch die fast schon legendären Jazz-Sessions wiederbeleben. Sein großer Traum freilich ist es, irgendwann den großen Saal des Kulturbundhauses zu reaktivieren. „Aber darüber denke ich jetzt noch nicht nach“, sagt er – und gähnt verstohlen in seine Cola. Lars Radau

    Tonelli´s, Elsterstraße 35, geöffnet Mo bis Fr. 16-2 Uhr, Sa & So: 18 Uhr (Open End). Heute, 16 Uhr: Künstlerstammtisch mit den Boogie Brothers

  9. 01.01.2001 Blitz! Das Stadtmagazin: Volly Tanner

    Denn Kneipe ist Bühne

    Denn Kneipe ist Bühne

    Im Kulturbundhaus in der Elsterstraße gibt es einen kleinen, aber feinen Live-Club mit Namen Tonelli´s und die Blues- und Soul-Helden unserer Stadt versammeln sich dort regelmäßig zum gemeinschaftlichen Getränkevernichten. Hier trifft man sie alle: Den Kotse, den Renner, Massa, Haase, und wie sie sonst noch heißen, die die Bühnen jenseits von Tekkno und Jeanette Biedermann bevölkern. Und hinter der Theke Tonelli, den Soul-Papst von Leipzig, lebende Legende und Frontmann des genialen Feelmen The Soul Orchestra.

    1960 gab er seine ersten Töne von sich. Seine Mutter, Hannelore Kalin, welche später mit Meister Hertel (ja, der Vater der unvergleichlichen Volxmusikröhre Stefanie Hertel) den Oberhofer Bauernmarkt unsicher machte, fand´s toll. Tonelli´s Vater, Hochseilartist und damals eine Zirkuskoryphäe, legte dem Kleinen erstmal die vielgelobte Zirkusluft an die Nase. 15 Jahre war Tonelli im Staatszirkus der DDR unterwegs, quer durch Europa und zurück. Sogar das westdeutsche Ausland wurde während einer von Coca Cola gesponsorten Tour 1986 erobert. Er machte „…alles, was anstand, und alles, was weh tat…“, Akrobatik, Jonglage, Clownerie und so weiter. Ab 89 bekamen der Schweizer Zirkus Monti und der ebenfalles Schweizer Zirkus Nock ihr Stückchen Tonelli. Das ging zwei Jahre gut, doch dann rief die Heimat ganz laut: „Tonelli, ich brauche dich!“ Also, zurück ins Messestädtchen. Der damals noch lebende Lenin (R.I.P.) überredete Tonelli zur Geburt des „Chopper“. Wir alle erinnern uns gern an die montäglichen Abstürze in Plagwitz. Das Bier kostete an diesem Tag nur die Hälfte, und wir hatten alle tüchtig zu tun, unser finanzielles Pensum umzusetzen. „Früher war ich nie in Kneipen, jetzt immer!“ sagt Tonelli. Später folgten „Pinball“, „Tuvalu“ (immer voll und immer späßig) und irgendwann Tonelli´s, lange Zeit so ein bißchen schräg gegenüber vom Schauspielhaus. Ein Live-Club der Extraklasse mit Sessions, Bands, Parties (unter anderem „Heavy Metall, nix im…“) und natürlich die Gründung von Leipzigs besten und einzigartigen Feelmen The Soul Orchestra. Eigentlich stand bei der Silvestersession vor vier Jahren noch der Name „Vielmänner“ an Nummer Eins, da zehn erwachsene Männer die Bühne bevölkerten, aber da es um englischsprachigen Soul ging, wäre das wohl schwierig geworden. Später kam noch P 70 (acht Leute), eine Ostsongnachspielkapelle dazu, welche aber richtig abräumte und das auch heute noch tut. Tonelli meint: „Ich bin ein Zirkustier, ich brauche große Kapellen. Zweimannbands sind doch musikalische Verarsche, einen Pink-Floyd-Song von zwei Musikern nachspielen zu lassen, tut doch weh!“
    Gigs auf Bluesfestivals, Engagements auf Stadtfesten, ein Job als B.B. King-Anheizer und vieles andere pflastert den Weg von Tonelli. Und immer wieder Kneipe: „Es hat schon seinen Sinn, daß ich auf der Bühne stehe. Ich hab auf der Bühne in die Windeln geschissen, da kenne ich mich aus. Und Kneipe ist ja auch irgenwie Bühne.“ Eben, das sage ich auch immer!

Unser Wochenprogramm

  1. Montag

    Jazz - Session mit Openerband Am ersten Montag im Monat: Freistil-Session mit Openerband.

  2. Dienstag

    Guitar-Night mit Christian Röver

  3. Mittwoch

    Rock'n Roll Stammtisch mit wechselnden Live Bands Bier-Happy-Hour von 20:00 Uhr - 21:00 Uhr

  4. Donnerstag

    BluesLounge mit wechselnden Anfangsbands. Am 2. Donnerstag im Monat: Open mic. Am letzten Donnerstag im Monat: Groovy Funk Night

  5. Freitag

    Live-Mugge: Eine gebuchte Band in den Bereichen Rock, Blues, Soul, Jazz, Rockabilly, etc.

  6. Samstag

    Live-Mugge: Eine gebuchte Band in den Bereichen Rock, Blues, Soul, Jazz, Rockabilly, etc.

  7. Sonntag

    Ruhetag

Kommende Veranstaltungen

  • Groovy Funk Night

    23.02.2017 21:00 Uhr

    Groovy Funk-Night/Session im Live-Musik-Club Tonellis.

    Am letztn Donnerstag im Monat verwandelt sich zukünftig ab 21.00 Uhr der Live-Musik-Club Tonellis [..]

  • INSPIRED

    24.02.2017 21:00 Uhr

    INSPIRED – das ist ein Streifzug durch 50 Jahre Musikgeschichte. Mit ihrer spannungsgeladenen Interpretation bekannter Rockklassiker, Oldies, deutschsprachiger [..]


Alle Rechte vorbehalten. © Copyright 2011 tonellis.de

205317 Besucher seit 26. Mai 2006